Schmidt, Daniela

Wenn ich schreibe, schreibe ich mich ins Schreiben hinein und gleite förmlich von Wort zu Wort. Ich fühle mich durch einzelne Sätze und hüpfe auf meinen Absätzen, bis sich die Seiten wie von Selbst, umblättern. Das Schreiben gleicht einer Abenteuer Reise, einer zur Schaustellung der eigenen Biografie und es ist wohl bekannt, das in geschriebene Seiten nicht nur ein ganzes Stück Seele, sondern auch biografische Anteile mit einfließen. Wir schreibende haben die Möglichkeit zu zaubern, zu entführen, den Leser mitzunehmen, in eine neue Welt, die aus unserem Geist entsprang. Ich stelle immer wieder fest, dass schreiben seelisch sehr aufwühlend ist. Man bekommt Teile diktiert, von oben, unten, rechts, links, drinnen und draußen. Dann wieder fließt es, ohne darüber nachzudenken. Einige Stellen muss ich aus dem Unterbewusstsein ziehen, ja sogar ziemlich viele Passagen.

Das Schreiben kommt manchmal einem psychotischen Zustand gleich, im positiven Sinne. Eine psychiatrische Erkrankung geht lautlos in die nächste über. Wir schreibende wechseln die Identitäten von Minute zu Minute. Wir wandern von Ort zu Ort, von Wahn zu Wahn, alles im Takt des Herzens. Wir verlieren uns in unserer Geschichte und halten sie für die Realität. Der Schauspieler legt seine Rolle nach dem Stück ab, der Schreibende seine Feder.

Ich erlebe es selbst immer wieder, dass mich ein Roman beißt, quält, erfreut, zerreißt, erfüllt in seiner gesamten Gefühlspalette, immer dann, wenn ich an ihm schreibe. Es lässt mich nicht mehr los, sobald ich die Reise begonnen habe. Man schreibt sich einsam, man gleicht einem Eremiten, schottet sich ab von der Welt da draußen, lebt in den Zeilen, wartet, bis man irgendwo dazwischen abgeholt wird. Aber meist kommt niemand. Wir wandern allein. Es ist alles im eigenen Kopf, die Landkarte der eigenen Seele, der Stift dient als Kompass, um den Weg nach draußen zu finden.

Man schreibt sich seine Selbsttherapie zurecht, geht in die Heilung. Worte freuen sich, sie leiden, ganze Sätze schwingen sich wie ein Bogen im Gehen. Der Leser kann ebenso leicht mitgerissen werden, wie der Autor selbst. Die Grenzen verschwinden und eine neue Atmung beginnt. Ich habe so oft schon Worte eingeatmet, sie in meinem Innersten geformt und sie als fertige Seele auf das Papier gehaucht. Der Abgrund ist nahe und lockt seine Beute. Groß ist die Verführung, sich in den Zeilen zu verlieren. Lesen heißt, das Buch noch einmal zu schreiben, noch einmal zu erleben.





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